Die Kirchenkunstfenster der Peter und Paul-Kirche

Segnung der Kinder

Segnung der Kinder

Am 1. Dezember 1996 wurden die ersten drei Kunst-Glasfenster eingeweiht. Darüber berichtet der Künstler, Walter Schimpf aus Leinfelden:

“Dieser Auftrag, die drei Rundfenster in der Peter und Paul-Kirche zu gestalten und auszuführen, hat mit mehr als 50 Jahren die längste Laufzeit aller meiner Gestaltungsaufgaben erreicht. Noch vor Ende des letzten Krieges sprach mich Pfr. Fritz Langbein (der mich im übrigen auch konfirmiert hatte) über die Wiederherstellung der 1944 zerstörten Farbfenster an, die mir aus der Sonntagsschulzeit vertraut waren.

1947 half ich der Holzschnitzerin Anna Fehrle beim Dekorieren des Kirchenraumes zur 50-Jahr-Feier. Auch bei diesem Anlass kam das Fehlen der ursprünglichen Farbfenster zur Sprache.

Später wurde dann immer wieder mit den Pfarrern Bloche, Raue und Kopp über neue Bleiverglasungen gesprochen. In den 80er Jahren stellte ich einen Entwurf für alle Fenster der Peter und Paul-Kirche vor. Sachverständige des Oberkirchenrats und des Denkmalamtes sowie der damalige Kirchengemeinderat konnten meinen Vorschlägen jedoch nicht zustimmen. Von Seiten des Oberkirchenrates wurde geäußert: Diese Kirche sei kein Dom, sondern eine einfache Predigtkirche. Das Denkmalamt wünschte, dass die bestehende Verglasung erhalten bleiben und zusammen mit der neuen Farbglaskomposition ein Ganzes bilden solle.

Diese Einschränkungen sahen für mich zunächst wie das Ende des Weges aus. Dass eine durchgehende runde Isolierglasscheibe nach außen wie Brillenglas aussehen würde, war auch mir klar. So nahm ich erst nach längerer schöpferischer Pause die Entwurfsarbeit wieder auf.

Nach Zustimmung meiner neuen Vorschläge und nach Auftragserteilung durch den Kirchengemeinderat konnten Kunstglasermeister Valentin Saile aus Stuttgart und sein Team mit der Arbeit beginnen. Nun galt es, in seinem gut sortierten Lager ein schönes Zusammenspiel von Farbgläsern auszusuchen und das Bemalen der Glasteile mit Schwarzloth, das Einbrennen der Bemalung und das Verbleien der Farbglasstücke zu planen.

Die neuen Farbglasflächen wurden dann innen hinter der neu in Kitt gelegten Außenverglasung und der Isolierglasscheibe eingesetzt. Mit dieser Montage fand ein langer Weg sein Ende. Da für den neugotischen Baustil der Kirche wenig Vorbilder und Literatur vorliegen, verwendete ich bei meinem Entwurf gestaltprägende Elemente aus unserer Kirche selbst. Als größte Fundgrube erwies sich die ornamental bemalte Decke. Aber auch die Balkenkonstruktion sowie die Schnitzarbeiten an Kanzel und Altar lieferten Anregungen.”

Am 19. September 1999 wurden in einem Festgottesdienst in der Peter-und-Paul-Kirche die letzten drei Kunstfenster von Walter Schimpf eingeweiht. Von der Gotteserfahrung des Volkes Israel am Mosesberg bis zum Kommen des Heiligen Geistes am Pfingstfest spannt sich nun der Bogen der Heilsgeschichte in dem zehn Kunstfenster umfassenden Zyklus in unserer Peter-und-Paul-Kirche.

Als wir zu Beginn unseres 100-jährigen Jubiläumsjahres unserer Kirche am 1. Advent 1996 die ersten drei Kunstfenster rund um den Taufstein einweihen konnten, da hofften wir zwar alle, dass sich das begonnene Werk vielleicht wirklich einmal vollenden ließe, doch hat wohl keiner zu träumen gewagt, dass das kaum drei Jahre später schon wahr werden würde.

Doch dank der großzügigen Stiftungen der Familien Weidner, Kramer und Haisch, von Frau Müller-Hilgert und einer anonym bleiben wollenden Familie, die jeweils die Kosten für ein ganzes Fenster übernommen haben, sowie von Frau Frick, die gleichsam “ein halbes Fenster” finanzierte, konnten wir Herrn Schimpf als Künstler sowie der Kunstglaserei Saile in Stuttgart den Auftrag zur Fertigstellung der insgesamt zehn Fenster erteilen.

Ganz besonderer Dank gilt unserem Gemeindeglied und Künstler Walter Schimpf. Er hat – so wie schon in unserem Gemeindezentrum in Unteraichen – mit großem Einfühlungsvermögen und fundiertem theologischem Wissen nun “seine” Peter- und-Paul-Kirche zu einem kunsthistorischen Kleinod ausgestaltet. Ist “unser gelbrotes Backsteinkirchle” sowieso schon weit und breit einmalig, so sind die künstlerischen Akzente von Walter Schimpf – von der Ausmalung der Chordecke über die von ihm entworfenen Paramente des “vierfachen Ackerfeldes” und des “Ankers” – nun mit den zehn Fenstern zur “Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen” zu einem faszinierenden Gesamtwerk geworden.

Dank auch der Kunstglaserei Saile, die mit dem großen Schatz an Erfahrung und handwerklicher Kunstfertigkeit in Zusammenarbeit mit Herrn Schimpf diese Fenster gefertigt hat.

Die Fenster in unserer Peter-und-Paul-Kirche entstanden nicht “zu unserem Ruhm und Ehre” – auch wenn wir als Gemeinde stolz sein können auf dies Werk –, es geschah allein zur Ehre Gottes! Es ist ein Dank für eigenes Wohlergehen, das betonten auch alle Spender eines Fensters, und es setzt ein Zeichen des Glaubens und der Hoffnung am Ende dieses Jahrtausends. Dort, wo manche Menschen keine Zukunft mehr für unsere Kirche sehen, dort wollen wir das Zeichen setzen, dass Gottes Heilsgeschichte weitergeht und weiterwirkt. Mag es den kommenden Generationen des nächsten Jahrtausends Freude bereiten und ein Sinnbild sein für Glauben, Hoffnung und Liebe, die kein Ende kennen.

Gerhard Zellmer (Pfarrer in Leinfelden 1990-2009)