Geschichte der Peter-und-Paul-Kirche

Peter-und-Paul-Kirche vor der Renovierung 1962

Peter und Paul: diese beiden Fresken befanden sich bis 1962 über Kanzel und Empore

Bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts gehörte Leinfelden zum evang. Pfarramt Musberg, und dorthin ging man zur Kirche... auch wenn der Weg beschwerlich, im Sommer zu heiß und im Winter zu kalt war. Erst als die Einwohnerzahl von Leinfelden und Unteraichen die von Musberg übertraf, wurde mit Genehmigung des königlich-evangelischen Konsistoriums 1894 ein eigener Kirchengemeinderat gewählt, und Leinfelden-Unteraichen wurde als Filialkirchengemeinde innerhalb des Musberger Kirchspiels "selbständig". Als erstes beschloss man den Bau einer Kirche nach Vorschlägen des Stuttgarter Architekten Maurer und ging mit tatkräftiger Unterstützung durch den Musberger Pfarrer Wilhelm Ludwig und den Leinfelder Schultheiß Wilhelm Renz an die Realisierung. Einen Bauplatz am damaligen Ortsrand stellte die Gemeinde Leinfelden zur Verfügung. Das Baugesuch wurde vom Gemeinderat am 2. August 1895 vorgelegt und schon am 21. vom Amtsoberamt Stuttgart genehmigt. 1896 erfolgte die Grundsteinlegung. Dank der geschickten Bauleitung durch Professor Maurer gelang es, den ursprünglichen Kostenrahmen von knapp unter 30.000 Mk. einzuhalten. Am 4. Juli 1897 wurde die neue Kirche durch Prälat von Ege eingeweiht und erhielt den Namen Peter- und Paul-Kirche.

Weiterhin aber musste Leinfelden von den Musberger Pfarrern versorgt werden – nur dass sie jetzt nach Leinfelden kommen und hier Gottesdienste halten konnten. 1908 wurde erstmals ein Antrag auf Errichtung einer eigenen Pfarrei gestellt – und dann hat es aber noch 50 Jahre gedauert, bis in Leinfelden ein Pfarrhaus gebaut werden und der erste "eigene" Pfarrer aufziehen konnte.

Im Kriegsjahr 1917 wurden zwei Glocken beschlagnahmt und erst wieder 1922 ersetzt. 1929 hat man das Glockengeläut der Peter und Paul-Kirche elektrifiziert, um dem Mesner das regelmäßige Uhrzeitläuten zu erleichtern. 1939 entstand unter der Empore ein Gemeindesaal für Veranstaltungen sowie für Gottesdienste in der kalten Jahreszeit – denn es war immer mühsam, mit dem großen Kohleofen das ganze Kirchenschiff zu heizen.

Dann kam der 2. Weltkrieg und 1942 mussten wiederum zwei Glocken abgeliefert werden. Bei einem Bombenangriff 1944 kam es auch bei der Peter und Paul-Kirche zu größeren Schäden an Dach, Fenstern und Orgel. Trotz Trümmern und Not war man froh, den Krieg überlebt zu haben. In dieser Zeit waren die Gottesdienste gut besucht. In der schwierigen Nachkriegszeit versuchte man, die nötigsten Reparaturen durchzuführen, um 1947 mit einem Festgottesdienst im wiederhergestellten Gotteshaus das 50-jährige Kirchbau-Jubiläum feiern zu können. 1948 entstanden mit zwei Anbauten am Turm für Sakristei und Toilette die heute bekannte Gestalt. Und 1950 konnten in einem festlichen Zug durch den Ort die beiden wiederersetzten Glocken zur Kirche gebracht werden.

Nach einer ersten Renovierung 1962 stand 1978/80 eine gründliche Innen- und Außensanierung der Peter und Paul-Kirche an. Alle Maßnahmen mussten mit dem Denkmalamt abgestimmt werden, denn der Backsteinbau war inzwischen unter Denkmalschutz gestellt worden. 1991 erhielt die Peter- und Paul-Kirche eine neue große Orgel, nachdem die erste aus dem Jahre 1897 nach 60 Jahren Dienst ausgebaut und vorübergehend durch ein Positiv ersetzt worden war. In den letzten Jahren wurde durch die neue Orgel die Peter- und Paul-Kirche auch als Veranstaltungsort zahlreicher "Konzerte in der Kirche" mit namhaften Interpreten über die Region hinaus bekannt.

100 Jahre lebendige Kirchengemeinde Leinfelden-Unteraichen dokumentiert

100 Jahre sind ein Grund zum Feiern - und üblicherweise zum Verfassen einer Jubiläumsschrift. So ging auch die evangelische Kirchengemeinde Leinfelden-Unteraichen ans Werk, als 1997 das 100-jährige Jubiläum ihrer Peter- und Paul-Kirche anstand. Aber während man Texte und Bilder sammelte, sichtete und sortierte, wurde schnell offensichtlich, daß jetzt noch viele ältere Gemeindeglieder Erinnerungen zu Papier bringen konnten, die bis zu 80 Jahre zurückreichen! So entstand aus der zunächst geplanten kleinen Festschrift eine 64-seitige Dokumentation mit vielen zeitgenössischen Bildern. Gezielt gingen die Mitglieder des Redaktionsteams auf die Spurensuche, befragten Zeitzeugen, stöberten in Archiven und sammelten ein Mosaikstein nach dem anderen zusammen. So werden in dieser Broschüre nicht nur geschichtliche Abfolgen, Daten und Ereignisse chronologisch aufgelistet, vielmehr wird mit persönlichen Erinnerungen, mit Geschichten und Anekdoten, mit Dokumenten, Fotos und Zeichnungen aus alter und neuer Zeit ein plastisches Bild einer lebendigen Kirchengemeinde aufgezeichnet.