Meine Reise in eine andere Wirklichkeit

Der Austausch zwischen einer tansanischen und unserer deutschen Jugendgruppe findet einmal jährlich statt – und dieses Jahr waren wir es, die die Begegnung in Afrika suchten. Bei diesem Austausch stehen die Erfahrungen mit dem uns verbindenden Glauben an Jesus Christus im Mittelpunkt. Und so habe ich das Land nicht als Tourist erlebt, sondern durfte das alltägliche Leben der Tansanier, ihre Denk- und Lebensweisen „hautnah“ miterleben.

Ich möchte Ihnen von einer Erfahrung erzählen, die mich tief berührte: das Vertrauen in Gott, das mir die Gewissheit gibt, nie tiefer zu fallen als in seine schützenden Hände; ein Schutz, der mir Geborgenheit verspricht. Schon vor meiner Reise nach Tansania wusste ich um dieses Vertrauen in Gott, doch hatte ich es noch nicht verinnerlicht. Die Tansanier zeigten mir, was es bedeutet, den Glauben an Gott zu (er)leben.  Im tansanischen Alltag birgt jeder neue Tag Sorgen und Aufgaben, die für mich als Europäerin kaum zu bewältigen erscheinen. Was ist heute zum Essen übrig? Wo gibt es Wasser? Woher soll man das Schulgeld für die nächste Woche auftreiben? Gott lässt uns mit unseren Sorgen nicht allein, wenn wir bereit sind, ihm zu vertrauen. Im Kontakt mit den Tansaniern erlebte ich ihr tief verwurzeltes Vertrauen in Gott. Trotz der existenziellen Sorgen ist ihr Alltag geprägt von Lebensfreude, singen, tanzen, Musik machen, Begegnungen zwischen den Menschen und dem Kontakt mit der Natur. Erlebnisse, die das Herz berühren und weniger gut durch den Verstand praktizierbar sind. Diese Lebenseinstellung der Tansanier hat mich tief beeindruckt und erfreut. Sie ist für mich erstrebenswert geworden.

Gleichzeitig spüre ich einen großen Kontrast zu meinem Leben in Deutschland. Nicht nur das Klima scheint bei uns etwas kühler zu sein, sondern auch der Umgang miteinander. Oftmals vermisse ich die  Warmherzigkeit und das offene, herzliche Lachen zwischen den Menschen, die Fähigkeit, trotz aller Sorgen die Lebensfreude zu bewahren und zu teilen. Wenn ich morgens im Regen am Bahnhof stehe, sehe ich oftmals leere Gesichter der Mitwartenden. Dann würde ich am liebsten laut singen und tanzen und mir die tansanische Sonne zurückwünschen, die aus den Menschen strahlt und mir durch Offenheit und Nächstenliebe entgegenkommt. Anders als bei uns hatte ich in Tansania den Eindruck, dass die menschliche Begegnung im Mittelpunkt steht – und nicht (wie hier in Deutschland) das Aussehen oder Ansehen, das Geld, der Bildungsgrad, die Zeit oder ähnliche Werte. Die Tansanier gaben mir das Gefühl, ihren Glauben mit dem Herz zu leben, nicht mit dem Kopf. Und so führte mich meine Reise zu der Frage: Bin auch ich dafür bereit?

Zum Schluss bleibt noch zu sagen: Asante Sana (Suaheli für „vielen Dank”) an alle, die diese Reise ermöglicht haben. Die Eindrücke, die ich hierbei sammeln konnte, haben tiefe Spuren in meinem Leben hinterlassen. Ich danke Gott für den Mut, den er mir für diese Reise gab, und für die Erfahrung, auf meinem Glaubensweg bestärkt worden zu sein.

Theresa Hirtreiter-Hochbach, 19 Jahre (2011)