Gesprächsabend über Tansania (2014)

v.l.n.r.: Dr. Gerhard Haag, Bischof Lupaa, Pfarrer Weinzierl, Devota Luba

 

Hoher Besuch im Dietrich-Bonhoeffer-Haus: der Ex-Bürgermeister von Leinfelden-Echterdingen Gerhard Haag und der anglikanische Bischof John Lupaa aus Tansania stellten sich am 2. Juli 2014 für einen Gesprächsabend zur Verfügung. Das Thema war "Aktuelle soziale, gesellschaftliche und religiöse Entwicklungen in Afrika, aufgezeigt am Beispiel Tansanias".

Gerhard Haag unterstützt seit vielen Jahren ein Berufschulzentrum in Mbeya im Südwesten Tansanias. Bischof Lupaa leitet die Diözese Rift Valley in Zentral-Tansania. Er befindet sich zurzeit in einem Sabbatjahr und wohnt mit seiner Frau einige Monate in Tübingen.

 

In seinem Einstiegswort wies Bischof Lupaa darauf hin, dass Tansania derzeit zwei Herausforderungen gegenübersteht: der Armut und dem Islam. Christen und Moslems leben in Tansania traditionellerweise friedlich neben- und miteinander, doch seit einigen Jahren ist zu beobachten, dass die Moslems von ausländischen Predigern zum Hass auf die Christen angestachelt werden. In Tansania ist die Stimmung unter den Moslems noch nicht so gewaltbereit wie in den Nachbarländern, doch auch hier hat es schon Tote gegeben. Eine der Strategien der christlichen Kirchen ist es, ihre Anhänger dazu zu ermuntern, sich mit Moslems anzufreunden, so dass den Hasspredigten die Grundlage entzogen wird. Eine andere Maßnahme stieß auf Unverständnis oder zumindest Stirnrunzeln bei den Zuhörern: wenn man die Moslems in Tansania zum Christentum bekehre, sei das Problem auch gelöst, so Lupaa. In Europa oder den arabischen Ländern wäre das wohl undenkbar, aber Afrika ist eben auch in dieser Beziehung anders.

Bezüglich der wirtschaftlichen Situation in Tansania wies Herr Haag darauf hin, wie wichtig Bildung ist, auch eine solide Berufsausbildung. In den letzten Jahren hat sich in Tansania eine gutsituierte Mittelschicht mit eigenem Haus und eigenem Auto gebildet. Dass sich viele Leute inzwischen ein Auto leisten können, hat dann allerdings auch die tägliche Rush-Hour zur Folge. Frauen am Steuer seien inzwischen aber ein völlig alltäglicher Anblick.

Von den Besuchern des Gesprächsabends kamen interessierte Fragen, unter anderem nach dem Erfolg des Projektes "Ziegen schenken - Zukunft schaffen", das vom Kirchenbezirk Bernhausen unterstützt wurde. Bischof Lupaa bestätigte, dass dieses Projekt gut läuft, und Familien Nahrung und Zusatzeinkommen bringt. Eine andere Frage zielte auf die afrikanische Mentalität ab, von der Hand in den Mund zu leben und verdientes Geld sofort auszugeben, anstatt zu sparen. Das konnte John Lupaa nicht abstreiten, verwies aber darauf, dass seine Heimat von jeher eine unsichere Zukunft hatte, so dass man lieber im Hier und Jetzt denke. Herr Haag steuerte dazu bei, dass es ja auch zur deutschen Mentalität gehöre, alles genau zu organisieren, sich aber auch ständig Sorgen um die Zukunft zu machen. Es war allgemeiner Konsens, dass manchmal der Mittelweg angebracht wäre: die Mischung von deutscher Gründlichkeit mit afrikanischer Flexibilität.

Dass man den Blick über den Tellerrand wagt, dass man mit dem Anderen spricht und ihn versucht zu verstehen, dass man Unterschiede jedoch auch akzeptiert, das ist schon seit 20 Jahren ein Kennzeichen unserer Partnerschaft mit Tansania. Wichtig ist das Verbindende: der Glaube an den einen Gott, der Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft vereint. Bischof Lupaa lud alle Zuhörer ein, sich selbst vor Ort ein Bild von Land und Leuten zu machen. Wer Interesse hat, beim nächsten Austausch mit Tansania dabei zu sein, oder die Partnerschaft in einer anderen Weise zu unterstützen, der kann sich gerne an unsere Pfarrer oder den Kirchenbezirk wenden.