Ökumenische Partnerschaftsbegegnung mit Manosque 2016

Melanchthonhaus in Bretten

Picknick in Maulbronn

v.l.n.r.: Diakon Alvarado, Pfarrer Stehle, Pfarrer Weinzierl, Pastor Mourou

4. Ökumenische Partnerschaftsbegegnung der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden 2016

Zwischen dem 30. Sept. und dem 3. Okt. 2016 waren Mitglieder der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden aus Manosque und Umgebung zu Besuch in LE.

Mit knapp zwei Stunden Verspätung kamen unsere französischen Freunde am Freitagabend an und wurden im katholischen Gemeindehaus Leinfelden mit einem Umtrunk begrüßt. Frau Renz vom Partnerschaftsgremium der Stadt LE, und Wolfgang Wieland hießen die Gäste herzlich willkommen. Arsène Saas überbrachte die Grüße aus Manosque.

Am nächsten Morgen brachen die Gäste, die Gastfamilien und interessierte Gemeindemitglieder mit zwei Bussen nach Bretten zum Melanchthonmuseum auf. Hierbei handelt es sich um das Geburtshaus eines gewissen Philipp Schwarzerd, der vor über 500 Jahren 1497 geboren wurde, und bereits als Kind durch seine Latein- und Griechischkenntnisse die Fachwelt beeindruckte. Daher nannte man ihn Graeculus, den kleinen Griechen, und sein Nachname Schwarzerd mutierte zum griechischen Äquivalent „Melanchthon“. Sein Vorname Philipp (Pferdefreund) war bereits griechischer Natur.

Dass er mit 14 Jahren Abitur vorweisen konnte, war ebenso erstaunlich wie die Tatsache, dass er später praktisch alle damaligen Studiengänge in Deutschland absolvierte und man ihm nichts mehr beibringen konnte. Als Universalgelehrter beeindrucke er daher mit seiner geistigen Größe und nicht mit seiner körperlichen von 1,49 m. Melanchthon lernte Martin Luther in Wittenberg kennen, wo er als Griechischdozent tätig war, und arbeitete eng mit ihm zusammen. Andererseits war Melanchthon ein Ausgleich zwischen den Konfessionen wichtig, so dass er als erster Verfechter der Ökumene angesehen wird. Nach dieser geistigen Kost durfte die Gruppe kulinarische Köstlichkeiten genießen, die wir als Picknick im Hof der evangelischen Kirchengemeinde Maulbronn zu uns nahmen.

Auch der Wettergott meinte es gut mit uns, und so stärkten wir uns draußen am Buffet mit französisch-deutscher Konversation. Die anschließende Führung im Zisterzienserkloster Maulbronn mit Netzrippengewölben, Kreuzgang und Brunnenhaus fand mit einem Orgelkonzert in der Klosterkirche aus dem 12. Jahrhundert einen gebührenden Abschluss. Das Kloster Maulbronn gilt als die am vollständigsten erhaltene mittelalterliche Klosteranlage der Zisterzienser nördlich der Alpen mit dem Rang als Weltkulturerbe der UNESCO, http://www.kloster-maulbronn.de/kloster/ .

Am Erntedanksonntag um 11 Uhr trafen wir uns zum  Partnerschaftsgottesdienst in der Auferstehungskirche in Unteraichen. Dieser wurde von Pfarrer Hans Stehle, dem Diakon Freddy Alvarado, sowie Pasteur Bernard Mourou und Pfarrer Martin Weinzierl gestaltet. Kinder des evangelischen Kindergartens erfreuten die Teilnehmer mit einer kleinen Aufführung zum Erntedank. Wegen Terminkollision mit einem Treffen des Bischofs sprang Arsène Saas ein und verlas die Predigt von Père Thierry Cazes auf Deutsch.

Nach einem Aperitif und einem gemeinsamen Mittagessen im Gemeindesaal der evangelischen Auferstehungskirche, Unteraichen, nutzten die Teilnehmer den Nachmittag für private Unternehmungen. Zum Abschluss der Begegnung waren Gäste, Gastgeber und Interessierte aus den beteiligten Kirchengemeinden zu einem festliches Abendessen im katholischen Gemeindezentrum Musberg eingeladen, bei dem nicht nur vorzüglich gespeist sondern auch kräftig gesungen wurde.

Mit einem Morgengebet und einem Segen in St. Peter und Paul wurden die Gäste am 3. Oktober früh um 8 Uhr unter dem Motto „ A la prochaine à Manosque“ verabschiedet.

Gerade in Zeiten, in denen das gemeinsame Europa schwächelt und nicht mehr so selbstverständlich ist wie vor ein paar Jahren, festigt diese Begegnung die Gemeinschaft zwischen zwei Ländern. Sie steht nicht nur für eine vorbildliche Städtepartnerschaft, sondern - 500 Jahre nach der Reformation -  auch für eine gelebte Ökumene in den Partnerstädten. Im Laufe der Jahre sind freundschaftliche Verbindungen gewachsen, die ihre Kraft und ihren Geist aus unserem gemeinsamen Glauben erhalten. Dieser Glaube verbindet auch Protestanten und Katholiken.

Wir persönlich freuen uns auch über die Gelegenheit, unsere Französischkenntnisse zu verbessern, zu erfahren, was Franzosen bewegt und so den eigenen Horizont zu erweitern. Daher ganz herzlichen Dank an alle, die an der Organisation beteiligt waren und sich als Helfer zur Verfügung stellten. Neben den hauptamtlichen Pfarrern gilt unser besonderer Dank dem Motor der Begegnung: Arsène Saas und Wolfgang Wieland, die seit Jahren ehrenamtlich den Austausch planen, durchführen und als professionelle Übersetzer fungieren. Wir bedanken uns auch bei den Gastgebern, die teilweise trotz beruflicher oder familiärer Verpflichtung es immer wieder schaffen, dass sich unseren Gästen in LE wohlfühlen und gerne wiederkommen. Herzlichen Dank auch an Frau Petra Bernnat, stellvertretend für alle unermüdlichen Helfer nicht nur in der Küche, die uns mit hervorragendem Essen versorgten und auch die Dekoration nicht vergaßen.
Merci beaucoup!

Dr. Dorothee Lohr, katholische Gemeinde Leinfelden-Echterdingen
Winfried Maigler, evangelische Gemeinde Leinfelden-Unteraichen

Information: Im nächsten Jahr fahren interessierte Gemeindemitglieder aus LE von Samstag, 30.09. bis Dienstag, 3.10.2017, nach Manosque.

Alle Bilder © privat

Dies ist der ausfühliche Bericht des Textes aus dem Gemeindebriefes Nr. 139 / Weihnachten 2016, er erscheint auch im Peter und Paulsbote 4/2016.