Der Herr ist auferstanden

Eine liturgische Osternachtsfeier in der Peter-und-Paul-Kirche

Ein Liedblatt und, wenn man zeitig gekommen war, mit einer von fünfzig Kerzen in der Hand, betrat man die dunkle Kirche.

Zwei Kerzen auf dem Altar spendeten etwas Licht. Es war ganz still, die eigene Müdigkeit verdrängt. Erst das leise Summen eines Taizé-Liedes beendete die Stille. Man konnte sich fallen lassen, in die Ereignisse jener Nacht, sie in Gedanken nacherleben, in der Dunkelheit, jeder für sich.

Pfarrerin Eva Deimling ermunterte uns, zum Wachen, Beten und Danken. Als wären wir selber Zeugen, die neben Jesu Grab verharren, hörten wir Gedanken, die einem selber durch den Kopf gingen. Meditationen und Lesungen unterbrachen die Stille.

Mit der Lesung „Wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, so bleibt's allein; wenn es aber erstirbt, so bringt es viel Frucht.“ (Joh, 12,24) führte man uns hin zum Weizenkorn, das in der Erde liegt und stirbt, um tausendfach Frucht zu bringen. Und dann, plötzlich waren sie beleuchtet: eine Schale, üppig gefüllt mit hellgrünen Weizenschößlingen und davor ein großer Brotlaib.

Nach der Lesung des Evangeliums trug man, langsam von hinten kommend, die brennende Osterkerze in den Altarraum.

Dem mehrmaligen Ruf „Der Herr ist auferstanden“, bestätigte die Gemeinde „Er ist wahrhaftig auferstanden“ und es folgte der Aufforderung „…Kommt und holt euch vom Licht, lasst es hell werden in euren Herzen“. Nun reichte man das an der Osterkerze angezündete Licht weiter und langsam wurde es heller in der Kirche.

Wir hielten die Kerzen in den Händen, als Pfarrerin Eva Deimling an unsere Taufe erinnerte. Zum Abschluss bildete man einen großen Kreis und feierte Abendmahl, mit Brot und Traubensaft.

Die Sonne war aufgegangen, als die liturgische Osternachtsfeier endete. Die meisten Kirchenbesucher folgten der Einladung und gingen mit ihren Kerzen ins Dietrich-Bonhoeffer-Haus, wo sie ein üppiges Frühstück erwartete. Schöner konnte ein Ostermorgen nicht beginnen. Diese Osternacht und der Ostermorgen waren für mich eine bereichernde Erfahrung.

An dieser Stelle möchte ich Pfarrerin Eva Deimling und den vielen Helfern Dank sagen. Frau Deimling hatte die Idee, die einige Helfer umsetzten und durch das Frühstück ergänzten.

Horst Austmann